BUND Diepholzer Moorniederung

Biologie der Kraniche - Ein Weltenbürger

 

Ein Weltbürger

Neben dem Storch ist der Kranich der zweite große Zugvogel. Sein weithin hörbares Rufen und seine auffällige keilförmige Flugformation haben ihn zu einem bekannten Vogel gemacht, der nicht nur auf dem europäischen Kontinent bekannt ist.

Nicht nur in Europa zuhause

Der bei uns vorkommende Graue Kranich (Grus grus), auch Graukranich oder Eurasischer Kranich genannt, erreicht ausgewachsen eine Größe von bis zu 1,30 Meter mit einer Flügelspannweite bis 2,45 Meter. Er ist damit deutlich größer als Graureiher und Weißstorch, mit denen er sonst verwechselt werden könnte. Neben dem Grauen Kranich gibt es in Afrika, Asien, Australien, und Nordamerika 15 weitere Kranicharten.

Auffällig ist die schwarzweiße, kontrastreiche Kopf- und Halszeichnung, die rote federlose Kopfplatte, das aschgraue Gefieder und seine Schmuckfedern, die über den Schwanz hinweg hängen. Diese verlängerten Armschwingen der Flügel, die bei Erregung und während der Balz buschig aufgestellt werden, lassen den Vogel noch größer und auch anmutiger erscheinen.

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Männliche und weibliche Kraniche sind kaum zu unterscheiden. Nur wenn sie nebeneinander stehen, zeigt sich, dass der männliche Vogel meist etwas größer und kräftiger ist und seine Schmuckfedern prächtiger ausgebildet sind. Die Jungvögel haben die typische Kopfzeichnung noch nicht und ihr Gefieder ist eher bräunlich. Männchen wiegen bis ca. 7 Kilogramm, Weibchen sind etwas leichter.

Beim Flug sind Kopf, Hals und Beine horizontal gestreckt. Der Flügelschlag ist langsam und kräftig. Unverwechselbar sind dabei seine weittragenden, trompetenartigen Rufe. Kraniche fliegen in "V"- oder Linienformation, wobei sich die an der Spitze fliegenden Vögel abwechseln. Diese Flugweise hilft, Energie zu sparen.

Am Boden wirken die Bewegungen des Kranichs majestätisch: er bewegt sich ruhig und ist immer aufmerksam. In der Gefangenschaft sind Graukraniche bis zu 40 Jahre alt geworden. In der freien Wildbahn ist die Lebenserwartung geringer.

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Guten Appetit

Nahrhaft und begehrt:
Stoppeläcker im Herbst

Die Nahrungspalette in der Diepholzer Moorniederung reicht von Mais- und Getreidekörnern über Insekten, Larven, Würmer und Schnecken, bis zu Reptilien, Amphibien und Kleinsäugern. Auch Erbsen, Bohnen, Eicheln, Kartoffeln und andere Teile von Pflanzen werden nicht verschmäht.

Für den langen Zug in die Winterquartiere brauchen die Kraniche Energiereserven, die als Fettpolster an den Raststandorten durch möglichst hochwertige (energiereiche) Nahrung angelegt werden. Diese Nahrung finden sie im wesentlichen auf den abgeerteten landwirtschaftlichen Flächen. Die Kraniche fliegen von den Schlafplätzen in der Diepholzer Moorniederung aus zum Teil mehr als zehn Kilometer ins Umland, um abgeerntete Maisäcker oder Getreidestoppelfelder zu finden. Auf Flächen mit gutem Nahrungsangebot versammeln sich bis zu mehreren Tausend Kraniche. Es wird vermutet, das ein Kranich täglich bis zu 300 Gramm Nahrung fressen kann. Durch große Kranichansammlungen während des Kranichzuges im Herbst kann unter Umständen auch ein Schaden auf landwirtschaftlichen Flächen entstehen.

Die Balz

Der Kranichtanz:
Die Balz der Kraniche

Wenn im zeitigen Februar die Brutkraniche aus ihren Winterquartieren an die Brutplätze in der Diepholzer Moorniederung zurückkehren, kann man früh morgens mit etwas Glück die eindrucksvollen Kranichtänze beobachten. Untermalt werden diese Tänze mit den weithin hörbaren Duettrufen.

Der Tanz ist geprägt von Sprüngen, Laufen und Umkreisen, von Bücken und Flügelschlagen und auch das Hochwerfen von Pflanzenteilen oder ähnlichem gehört zum Ritual. Während dieses Verhalten zunächst an Futterplätzen in Brutplatznähe zu beobachten ist (hier lohnt sich ein Blick im Morgengrauen von den Türmen im Neustädter Moor und im Rehdener Geestmoor), findet die zur Begattung führende Balz dann in stärkerer Bindung zum eigentlichen Brutplatz statt.

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Paarbildung und Brut

Ein Leben lang:
Als monogame Tiere bleiben Paare ein Kranichleben lang beisammen

Kraniche werden etwa mit drei Jahren geschlechtsreif. In den sogenannten Junggesellen- bzw. Übersommerertrupps findet wahrscheinlich schon ein bis zwei Jahre vorher eine Paarbindung statt. Kraniche sind nach bisherigen Erkenntnissen monogame Tiere, d.h. sie bleiben meist ihr Leben lang als Paar zusammen. Paare die sich gefunden haben versuchen ein freies Brutrevier zu besetzen.

In der Brutzeit ist der Kranich besonders scheu. Die Weibchen in der Diepholzer Moorniederung beginnen ab dem 10. März mit der Eiablage in ein mehr oder weniger mit Nistmaterial ausgepolstertes Nest von ca. 1 m Durchmesser und ca. 20 cm Höhe. Im Abstand von ein bis drei Tagen legt es in der Regel zwei Eier. Beide Partner bebrüten diese abwechselnd etwa 29 bis 31 Tage.

Die Jungen schlüpfen meist in kurzem Abstand. Als Nestflüchter folgen Sie den Eltern bereits im Alter von einem Tag zur Nahrungssuche. Die erwachsenen Kraniche füttern die Küken in ihren ersten Lebenswochen mit besonders eiweißhaltiger Nahrung wie Insekten, Larven, Würmer und Schnecken. Die Eltern setzen dies fort bis die Küken selbständig nach Futter suchen können.

Meistens übernimmt ein Elternteil jeweils ein Küken in seine Obhut. Sie führen die Küken zu geeigneten Nahrungsflächen und bieten ihnen hier entsprechende Nahrung an. Durch die energiereiche Nahrung wachsen die Küken schnell heran und sind nach etwa zehn Wochen flügge. Schon im Juli/August folgen sie den Eltern zu entfernteren Nahrungsplätzen. Auf bereits abgeernteten Getreidefeldern oder Grünlandflächen suchen sie dann gemeinsam als Familie nach Ernterückständen oder Insekten.

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Aktualisiert am: 10.10.2008

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