Viel los am Himmel:
Kraniche über der Diepholzer Moorniederung.
Foto: Foto: F. Niemeyer
Bild vergrößern
Mit dem Frühjahrszug in die Brutgebiete und dem Herbstzug in die Überwinterungsgebiete hat sich der Kranich ganz Europa erschlossen. Zwischen Brutplatz und Überwinterungsgebiet liegen Entfernungen von mehr als tausend Kilometer Bis zu 3000 Kilometer für Hin- und Rückweg sind dabei keine Seltenheit. Um diese enormen Distanzen zu meistern fliegen die Kraniche oft viele hundert Kilometer pro Tag.
Der Frühjahrszug der Kraniche geht zielgerichtet ohne lange Aufenthalte voran. Im Gegensatz dazu ist der Zug im Herbst durch längere Rasten unterbrochen. Ab Ende September finden sich die einheimischen Brutpaare mit ihrem Nachwuchs und auch die "Junggesellen" an so genannten Sammelplätzen ein. Bald kommen auch erste durchziehende Kraniche aus nordischen und nordöstlichen Brutgebieten, die in Deutschland rasten hinzu.
Westeuropäischer und baltischer Zugweg
Bild vergrößern
Zwei Routen für die lange Reise:
Links westeuropäischer und rechts baltischer Zugweg. Der in der Karte
dunkelbraun gefärbte Bereich, markiert das Brutgebiet.
Die europäischen Graukraniche ziehen auf verschiedenen Routen in ihre Winterquartiere. Der baltische Zugweg führt Kraniche aus Finnland, dem Baltikum, Polen und Teilen Russlands über den Balkan nach Nordostafrika. Den westeuropäischen Zugweg nutzen im wesentlichen Kraniche aus Mitteleuropa und Skandinavien. Aber auch aus Kraniche aus den baltischen Staaten, aus Finnland und Weißrussland werden, nachgewiesen durch Ringablesungen, auf dieser Route beobachtet. Ihre Überwinterungsgebiete liegen heute in Spanien, Frankreich und nur noch selten in Nordafrika.
Karteninformationen im Detailfenster:
Trittsteinbiotope
auf dem Zugweg
Wo rasten die Kraniche auf ihrer Reise? Alle Stationen der Vögel im Überblick.
Um den anstrengenden Zugweg bewältigen zu können, benötigen die Vögel genügend Rast- und Ruheplätze. Diese liegen auf der Zugroute idealerweise in regelmäßigen Abständen und weisen ein ausreichendes Nahrungsangebot, gute Schlafplätze und geringe Störungen auf. Das Zentrum der Kranichrast bilden ein oder mehrere Schlafplätze. Sie befinden sich in Gewässern mit Flachwasserbereichen, in denen die Kraniche nachts stehend schlafen. Tagsüber suchen die Tiere auf nahe gelegenen Flächen im Kulturland nach Nahrung. Zu den wichtigen Rastplätzen für viele tausend Kraniche auf ihrem Zug gehört der Hornborgasee in Schweden - auch die zwischen Estland und Finnland gelegene Matsalu-Bucht wird stark frequentiert.
Die Tiere fliegen viele Hundert Kilometer pro Tag.
Foto:
K. Lehn | Bild
vergrößern
Die Rügen- Bock-Region:
Bedeutenster Rastplatz für Deutschland
Webseite besuchen
Der westeuropäische Zugweg führt die Vögel über den wohl traditionellsten Rastplatz in Deutschland. Er befindet sich an der Ostseeküste in der Rügen-Bock-Region. Mit Linum-Nauen liegt der größte binnenländische Rastplatz nordwestlich Berlins. Große Rastplätze sind auch von der unteren Oder, der Mecklenburgischen Seenplatte sowie aus der Oberlausitz bekannt. Weitere Rastplätze mit Ansammlungen von einigen hundert bis zu rund zweitausend Kranichen gibt es in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und in Hessen. Als ein weiterer bedeutender Rastplatz ist in den letzten Jahren die Diepholzer Moorniederung neu hinzugekommen. Auf dem Herbstzug rasten in der DHM bis zu 40.000 Kraniche gleichzeitig, bevor sie in Richtung Lac du Der-Chantecoq weiterfliegen.
Lesen Sie auch:
Rastplatz
DHM - Ein neues Trittsteinbiotop
Rastplatz Diepholzer Moorniederung im Überblick.
Für Ungarn:
Nationalpark Hortobágy
Webseite
besuchen
Weitere Rastplätze sind der Lac du Der-Chantecoq im Nordosten und der Landes de Gascogne im Südwesten Frankreichs. In Spanien folgt die Laguna de Gallocanta, ein flacher Salzsee in der Hochebene Nordostspaniens bevor die Vögel die Hauptüberwinterungsregionen erreichen. Im südosteuropäischen Raum ist der Nationalpark Hortobágy für Vögel auf dem baltischen Zugweg ein bedeutender Anlaufpunkt.
Nach Norden:
Das Überwinterungs- Gebiet der Kraniche verlagert sich immer weiter
nach Norden.
Auf der westeuropäischen Zugroute überwintern heute etwa bis zu 70.000 Kraniche in Spanien und 30.000 in Frankreich. In Portugal und Nordwestafrika überwintern nur noch wenige Vögel. Interessant dabei: Noch vor ca 40 Jahren wurde Marokko als Haupt- Überwinterungsgebiet genannt. Änderungen in der Landnutzung durch verstärkten Mais- und Reisanbau, milde Winter und verbesserte Schutzbedingungen an den Rastplätzen führten zur Verlagerung der Überwinterung nach Norden. Inzwischen verbringen bis zu 10.000 Kraniche den Winter am Lac du Der-Chantecoq. Mehr als 20.000 bleiben in Südwestfrankreich. In der Laguna de Gallocanta, überwintern ungefähr 5.000 Vögel. In milden Wintern versuchen Kraniche zunehmend auch in Deutschland zu überwintern. Der Nordwesten mit der Diepholzer Moorniederung scheint dafür besonders geeignet zu sein.
Estremadura:
Die Haupt- Überwinterungs- Region in Spanien
Webseite
besuchen
Haupt-Überwinterungsregion mit etwa 50.000 Kranichen ist zur Zeit die Estremadura in Westspanien. Dort suchen die Vögel in den "Dehesas"(spanische Bezeichnung für beweidete Eichenhaine (Hutewälder)) nach den Eicheln der Stein- und Korkeichen. Traditionell werden diese Wälder nur extensiv genutzt. Mit nur etwa 50 Bäumen pro Hektar ähnelt die Landschaft einem lichten Park mit ausgedehnten Weiden. Den Winter verbringen Kraniche in kleinen Fressgemeinschaften mit wenigen Vögeln oder als Familienverband. Viele Kraniche nutzen auch die intensiven Mais- und Reisanbauflächen im Gebiet von Navalvillar de Pela zur Nahrungssuche.
Aktualisiert am: 08.07.2008